Das Bootfahren ohne Bekleidung gilt für viele als die Krönung des
Naturismus. Rechtlich gesehen ist ein Boot eine Besonderheit: Es ist ein privater Rückzugsort (ähnlich einer Wohnung), der sich jedoch im öffentlichen Raum bewegt und für andere Wasserwegnutzer oft leicht einsehbar ist.
1. Das Boot als „schwimmendes Wohnzimmer“
Grundsätzlich gilt auf dem eigenen oder gemieteten Boot das Recht auf Privatsphäre. Was Sie an Bord tun, ist zunächst Ihre Sache.
Auf hoher See / Weit draußen: Auf dem offenen Meer oder in der Mitte großer Seen, wo keine anderen Boote in unmittelbarer Nähe sind, ist FKK absolut unproblematisch und rechtlich sicher.
In Küstennähe und Buchten: Hier überschneiden sich die Interessen. In ausgewiesenen FKK-Buchten ist
Nacktheit an Bord die Norm. In befahrenen Kanälen oder in der Nähe von öffentlichen (Textil-)Stränden sollte man diskret bleiben.
2. Rechtliche Aspekte: Die Einsehbarkeit
Wie beim Balkon oder Garten ist die Einsehbarkeit das entscheidende Kriterium für eine mögliche „Belästigung der Allgemeinheit“:
Vorbeifahrt: Wenn Sie nackt an Deck stehen, während ein Ausflugsdampfer mit Touristen vorbeifährt, könnte dies als Provokation gewertet werden.
Hafen und Schleusen: In Häfen, Marinas und beim Schleusen gilt das ungeschriebene Gesetz: Kleidung an. Hier herrscht geschäftiges Treiben, und man befindet sich in unmittelbarem Kontakt mit Hafenmitarbeitern und Passanten. In den meisten Hafenordnungen ist
Nacktheit an Deck untersagt.
3. Charter-Boote und Hausboote
Bei gemieteten Booten (z. B. Hausbooten auf der Mecklenburgischen Seenplatte) sollten Sie die Mietbedingungen lesen.
Hygiene: Auch an Bord gilt das Handtuch-Gebot. Da Polster auf Booten oft aus Kunstleder oder empfindlichen Stoffen bestehen, ist eine Unterlage aus hygienischen Gründen und zum Schutz des Materials unerlässlich.
Sicherheit: Beim Anlegen, Ankern oder bei schweren Manövern empfiehlt es sich, zumindest festes Schuhwerk und ggf. Kleidung zu tragen, um das Verletzungsrisiko (z. B. durch Leinen oder Winschen) zu minimieren.
4. Besonderheit: Nacktsegeln und „Naked Cruises“
Es gibt spezielle Reiseveranstalter, die komplette Segeltörns oder Kreuzfahrten für Naturisten anbieten.
Auf diesen Schiffen ist das gesamte Deck zur FKK-Zone erklärt.
Sogar beim Landgang in kleinen Buchten bleibt man oft nackt, sofern das Beiboot eine einsame Stelle ansteuert.
5. Zusammenfassung für Skipper
Diskretion in Landnähe: Sobald man bewohntes Gebiet oder enge Fahrwasser erreicht, sollte man sich etwas überziehen.
Ankerplatz-Wahl: Suchen Sie sich Buchten, die als FKK-freundlich bekannt sind (erkennbar an anderen nackten Badegästen oder Skippern).
Respekt gegenüber der Crew: Auch wenn Sie der Eigner sind, sollte die
Nacktheit an Bord mit allen Mitseglern abgesprochen sein.
Quellen & Einzelnachweise
- BinSchStrO (Binnenschifffahrtsstraßenordnung): Allgemeine Regeln zum Verhalten auf Wasserwegen.
- Hausordnungen der Marinas: Typische Regelungen für das Verhalten in Häfen
- INF/FNI: Leitfaden für naturistisches Segeln und Bootstourismus