Als Freikörperkultur (FKK) bezeichnet man eine Kultur allgemeiner oder gemeinsamer
Nacktheit der Menschen in Freizeit, Sport und Alltag. Inhaltlich weitgehend identisch sind die Begriffe Nacktkultur und
Naturismus.Die Anfänge der Freikörperkultur liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert in Deutschland. „Nacktheit in der Freizeit“ ist unter den Begriffen „Naturismus“ und „FKK“ inzwischen international bekannt und verbreitet. In Verbänden, Vereinen und kommerziell erfolgen Organisation und Angebote. An offiziellen Textilfreien-, Nackt- und FKK-Stränden in zahlreichen Ländern Europas, in Nordamerika und Australien wird nackte Freizeit gelebt. Die größte Verbreitung findet sich im deutschsprachigen Raum, in Frankreich sowie in Skandinavien.
1. Definition
Freikörperkultur bzw. Naturismus ist als Haltung und Lebensweise folgendermaßen definiert:
„Sie kommt zum Ausdruck in der gemeinschaftlichen Nacktheit, verbunden mit Selbstachtung, sowie Respektierung der Andersdenkenden und der Umwelt. Gemeinschaftliche Nacktheit ist ein essentielles Kennzeichen des Naturismus, der die Naturelemente Sonne, Luft und Wasser völlig auswertet. Der Naturismus stellt das physische und psychische Gleichgewicht wieder her, indem er Erholung in einer natürlichen Umgebung bringt, durch Bewegung und Respekt für die Grundprinzipien von Gesundheits- und Ernährungslehre. Der Naturismus fördert viele Aktivitäten, die die Kreativität entwickeln. Völlige Nacktheit ist der geeignetste ‚Anzug‘, um eine Rückkehr zur Natur zu verwirklichen, und ist mit Sicherheit der sichtbarste Aspekt des Naturismus, auch wenn sie nicht der einzige ist. Sie hat eine ausgleichende Wirkung auf Menschen, indem sie sie von Spannungen befreit, die durch Tabus und Provokationen der heutigen Gesellschaft verursacht sind, und den Weg zu einer einfacheren, gesünderen und menschlicheren Lebensweise zeigt.“
– Definition der Internationale Naturisten Föderation (INF-FNI) vom Weltkongress auf Cap d’Agde, 1974.
Von dieser Definition losgelöste Nacktheit oder Nudismus haben von daher keinen Anspruch, als gelebte Freikörperkultur oder als Naturismus anerkannt zu werden. Der Anspruch der Naturisten geht weit über Nudismus hinaus, denn dieser beschränkt sich weitestgehend auf Nacktheit ohne Gemeinsamkeit und ohne Bezug zu den Werten der FKK.
2. Inhalte
In der Freikörperkulturbewegung gilt die Lebenseinstellung, nach welcher der nackte Körper kein Grund für Schamgefühle ist. Die gemeinschaftlich praktizierte Nacktheit der Freikörperkultur wird in diesem Sinne oftmals als befreiend erlebt und geht mit gegenseitiger Akzeptanz und positivem Körperbild einher. Anliegen ist dabei die Freude am Erlebnis der Natur, am Nacktsein selbst oder die Realisierung von Freiheit. Die Nacktheit der Freikörperkultur steht dabei in keinem sexuellen Bezug. Nacktheit am Strand und im Wasser geht im Vergleich zu Badebekleidung mit einer anderen Oberflächensensibilität einher, die meist als angenehm erlebt wird. Die im Sinne der FKK propagierte Nacktheit wird nicht als sexuell erlebt und steht in keinem unmittelbaren Zusammenhang zur Sexualität.
Im Rahmen der Freikörperkultur wird zumeist Baden, Sonnenbaden an Badeseen oder Stränden (den „FKK-Stränden“), Sport und sonstiges Freizeitleben nackt praktiziert. In zahlreichen Ferienanlagen, Campingplätzen und Anlagen von Sportvereinen gelten die Regeln der Freikörperkultur. In nationalen und internationalen FKK- oder Naturismusverbänden sind die FKK-Anhänger und Naturisten organisiert.
Die Nacktheit in intimen Situationen, unter der Dusche oder in der Sauna gehören nicht zur Freikörperkultur. Diese Nacktheit setzt keinen besonderen Gruppenkonsens voraus.
3. Freikörperkultur, Naturismus, Nudismus
Die Begriffe Freikörperkultur und Naturismus bezeichnet einen Lebensstil, der eine Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme und Solidarität und ökologisches Engagement einschließt. In diesem Sinne steht der Naturismus in der Tradition der Lebensreform, auch wenn ihm asketische Tendenz (Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Vegetarismus usw.) zunehmend abgehen. Der Nudismus dagegen bevorzugt eine Lebensgestaltung ohne Kleidung unabhängig von weiteren positiven Zielen. Der Begriff Nudisten wird zuweilen abwertend gebraucht und ihr Nacktsein in die Nähe von Exhibitionismus gerückt. „Der teilweise Missbrauch des Begriffs ,FKK‘ zu pornografischen Zwecken – nicht zuletzt im Internet – hat dazu geführt, dass der Begriff des Naturismus auch in Deutschland den Begriff ,FKK‘ zunehmend ersetzt.“[9]
Außerhalb des deutschen Sprachraums werden die Begriffe Nudismus für Nacktkultur allgemein und Naturismus sowie FKK für den oben definierten Lebensstil verwendet. In vielen Ländern Europas hat man allerdings das Kürzel „FKK“ übernommen, ohne sich über die Inhalte im klaren zu sein. Diese Abkürzung im Zusammenhang mit Freikörperkultur oder Nacktsein bürgerte sich in den deutschen Sprachgebrauch erst seit Ende der 1960er-Jahre ein. Häufig wird im englischen Sprachraum die Bezeichnung „clothing optional“ (deutsch „Kleidung optional“) genutzt, um zu verdeutlichen, dass Nacktheit toleriert beziehungsweise explizit erlaubt ist. Im Niederländischen umfasst der Begriff „naaktrecreatie“ das Nacktsein im Sinne von Erholung, nahezu passend zum Nudismus.
4. FKK in Deutschland
Der Begriff Freikörperkultur umfasst im deutschsprachigen Raum heute verschiedene Ausprägungen. Viele Anhänger beschränken sich mit der Ausübung auf Vereine, Campingplätze oder extra gekennzeichnete Strände. Die Anhänger dieser Kultur heißen traditionell Naturisten oder FKK-ler. Ihr Lebensstil schließt viele Erscheinungsformen ein, z. B. Wandern, Radeln, Sport, Kanufahren in freier Natur, was gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme voraussetzt und oft mit ökologischem Engagement verbunden wird.
Seit der weitgehenden Enttabuisierung der öffentlichen Nacktheit – in der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er- und 1980er-Jahren – wird auf einen besonderen Begriff für nackte Menschen zunehmend verzichtet. Während das Praktizieren der FKK in den 1950er-Jahren streng auf Vereinsebene reglementiert war, etablierte sich Anfang der 1970er-Jahre das freie („unorganisierte“) Nacktsein: Menschen waren überall dort nackt, wo es nicht explizit verboten war, und in vielen öffentlichen Schwimmbädern wurden Nacktbadezeiten eingeführt.
Die Bezeichnung Freikörperkultur ist erweitert aus Körperkultur, worunter Anfang des 20. Jahrhunderts die Hinwendung zum Körperlichen durch Sport, Wandern und andere Freizeitgestaltung in der Natur verstanden wurde. Dies galt als Gegenbewegung zu einem als „muffig“ empfundenen Bürgertum und einer beengten, städtischen Lebens- und Wohnsituation mit wenig Luft und Licht. Diese Bewegung mit bequemer und gesunder Kleidung vollzog dann zum Teil den Schritt zur Nacktheit und wählte den Zusatz frei- zum Hauptbegriff Körperkultur. Der Begriff Freikörperkultur trat dann zunehmend an die Stelle des zunächst bevorzugten Begriffs „Nacktkultur“, der auf starke Tabuschranken stieß. Der Ausdruck FKK hat als Synonym für nackt seit den 1970er-Jahren auch sonst in viele Wortschöpfungen Eingang gefunden, zum Beispiel in FKK-Baden für Nacktbaden, FKK machen (oder … treiben) für Nacktsein generell.
Auch im 21. Jahrhundert werden in Deutschland öffentliche Badestellen, die zum Nacktbaden vorgesehen sind, meist als „FKK-Strand“ oder „FKK-Badestelle“ bezeichnet, obwohl viele dort badende Gäste keine besondere Kulturbewegung mit dem Baden ohne Bekleidung verbinden und sich aus unterschiedlichsten Gründen dort nackt erholen. So hat die Stadtverwaltung München bei der Benennung ihrer Nacktbadebereiche die Abkürzung „FKK“ vermieden.
5. Verhältnis von FKK zur Sexualität
Im Gegensatz zum eigenen Selbstverständnis werden die Freikörperkultur und Nacktsein in der Öffentlichkeit in der Fremdwahrnehmung mitunter in die Nähe von Exhibitionismus und Voyeurismus gerückt. Dies findet seinen Ausdruck unter anderem darin, dass der – nicht geschützte – Begriff für kommerzielle Erotikangebote in Namensgebungen wie „FKK-Club“ Verwendung findet. Insgesamt scheint es für Nicht-Nudisten ohne Erfahrungen und Kontakt zur Freikörperkultur oftmals schwer vorstellbar, Nacktheit außerhalb eines engen privaten Bereichs nicht automatisch mit Sexualität in Verbindung zu bringen.
„Es gibt Saunaclubs oder Bordelle, die sich zwar als FKK-Saunaclubs bezeichnen, sich jedoch nur hinter dem Begriff FKK verstecken. Hier wird eine Idee oder Ideologie missbraucht.“
– Annegret Staiger, Lehrbeauftragte für Anthropologie an der Clarkson University
Diese Sichtweise gründet in der kulturell verankerten Annahme, dass die Nacktheit zwangsläufig sexuell ist. Die amerikanischen Psychologen Paul Bindrim und Leonard Blank waren mit die ersten, die sich mit der Beziehung zwischen sozialer Nacktheit und Sexualität befassten.[13][14] Sexuelle Erregung stellt für sie eine gelernte Reaktion dar, die in der christlich-abendländischen Kultur mit Nacktheit assoziiert wird. Im Gegensatz zur Mainstream-Kultur ist Nacktheit im Rahmen der Freikörperkultur jedoch nicht sexuell und stellt somit keinen sexuellen Reiz per se dar. Im Gegensatz zum eigenen Selbstverständnis werden die Freikörperkultur und Nacktsein in der Öffentlichkeit in der Fremdwahrnehmung mitunter in die Nähe von Exhibitionismus und Voyeurismus gerückt. Dies findet seinen Ausdruck unter anderem darin, dass der – nicht geschützte – Begriff für kommerzielle Erotikangebote in Namensgebungen wie „FKK-Club“ Verwendung findet. Insgesamt scheint es für Nicht-Nudisten ohne Erfahrungen und Kontakt zur Freikörperkultur oftmals schwer vorstellbar, Nacktheit außerhalb eines engen privaten Bereichs nicht automatisch mit Sexualität in Verbindung zu bringen.
„Es gibt Saunaclubs oder Bordelle, die sich zwar als FKK-Saunaclubs bezeichnen, sich jedoch nur hinter dem Begriff FKK verstecken. Hier wird eine Idee oder Ideologie missbraucht.“
– Annegret Staiger, Lehrbeauftragte für Anthropologie an der Clarkson University
Diese Sichtweise gründet in der kulturell verankerten Annahme, dass die Nacktheit zwangsläufig sexuell ist. Die amerikanischen Psychologen Paul Bindrim und Leonard Blank waren mit die ersten, die sich mit der Beziehung zwischen sozialer Nacktheit und Sexualität befassten. Sexuelle Erregung stellt für sie eine gelernte Reaktion dar, die in der christlich-abendländischen Kultur mit Nacktheit assoziiert wird. Im Gegensatz zur Mainstream-Kultur ist Nacktheit im Rahmen der Freikörperkultur jedoch nicht sexuell und stellt somit keinen sexuellen Reiz per se dar.
6. Natürliche Nacktheit
Der Naturismus betont eine hohe Verbundenheit mit der Natur; gemeinsam nackt sein in Natur und Freizeit ist Grundprinzip der Freikörperkultur. Dem eigenen Selbstverständnis nach ist die im Rahmen der Freikörperkultur praktizierte Nacktheit dem Prinzip nach nicht sexuell. Diese Haltung findet sich sowohl implizit als auch explizit in den Satzungen verschiedener naturistischer Verbände und Vereine. So wird sexuelles Verhalten auf dem Gelände von FKK-Vereinen, Schwimmbädern oder Campingplätzen untersagt, an frei zugänglichen FKK-Stränden ist dies in der Regel verpönt.[18]
Dieses Selbstverständnis ist historisch auf die Anfänge der FKK-Bewegung und deren Wurzeln in der Lebensreform des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Nacktheit, ebenso wie Veganismus, landwirtschaftliche Autarkie und Naturverbundenheit, ist hierbei als Rückbesinnung zur Natur und als Abkehr vom degenerierten, urbanen Leben der Industriegesellschaft zu verstehen.
„Bei der naturalistischen Bewegung ging es nicht um die Sexualisierung des Körpers, sondern um Gesundheit und auch die Idee, die Menschen von der Scham zu befreien – sowie von sozialer Ungleichheit und den ungesunden Lebensbedingungen in übervölkerten Städten während der beginnenden Industrialisierung.“
Gleichwohl stand die Bewegung in jener Zeit in klarem Widerspruch zu gesellschaftlichen Normen und Konventionen, deren Überwindung sie sich zum Ziel gemacht hatte. Eine Etablierung von Nacktheit als eindeutig nicht sexuell, versehen mit Attributen wie Natürlichkeit, Reinheit und gegenseitigem Respekt diente einerseits der Selbstdefinition und Abgrenzung, nicht zuletzt aber auch der Vermeidung von Verfolgung und Verboten durch staatliche Behörden.
7. Exhibitionismus und Voyeurismus
Wissenschaftliche Studien und persönliche Erfahrungsberichte stimmen überein, dass Nacktheit innerhalb der Freikörperkultur ihre sexuelle Bedeutung verliert. Durch die gewohnheitsmäßige Konfrontation mit Nacktheit in alltäglichen Situationen, die eindeutig nicht sexuell sind, findet eine Entkontextualisierung von Nacktheit statt. Der Blick gewöhnt sich an nackte Körper beiderlei Geschlechts, die in unserem Kulturkreis sozialisierte Verbindung „Nacktheit → Sex“ löst sich auf. Somit entfallen die Motive für Exhibitionismus und Voyeurismus. Der Anblick von gegengeschlechtlicher Nacktheit behält zwar seinen ästhetischen Wert und eine gewisse Neugier in Bezug auf die Körper anderer Menschen bleibt bestehen. Der nackte Körper per se ist jedoch nicht mehr sexuell erregend, sobald die gesellschaftlich erlernten Schemata wegfallen.
Im Kontext der Freikörperkultur dient Nacktheit somit nicht als sexueller Reiz, und sie zieht somit auch keine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Viele FKK-Anfänger berichten von einer „Normalisierung“ durch Nacktheit: Diese wird selbstverständlich und allgegenwärtig, verliert somit ihre Aufmerksamkeitsfunktion und „tritt in den Hintergrund“.