Die Lebensreform war eine Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die einen Ausbruch aus den ungesunden Bedingungen der Industriestädte anstrebte. Sie war eine der wichtigsten Wurzeln der
Freikörperkultur und des
Naturismus in Deutschland.
1. Entstehung und Ziele
Die Lebensreform entstand als Gegenbewegung zur Industrialisierung. Ihre Ziele umfassten Naturverbundenheit, Gesundheitsreform, Vegetarismus, Abstinenz von Alkohol und Tabak sowie körperliche Ertüchtigung.
2. Verbindung zur FKK
Die Freikörperkultur wuchs direkt aus der Lebensreform hervor. Den ersten FKK-Anhängern um 1900 ging es nicht nur ums Baden, sondern um revolutionäre soziale Veränderungen. Nacktheit war eine politische Botschaft der Befreiung von sozialen Unterschieden.
Die Wandervogel-Jugendbewegung, 1896 in Steglitz, Berlin gegründet, war eng mit der Lebensreform verbunden.
3. Wichtige Persönlichkeiten
Bedeutende Vertreter waren Karl Wilhelm Diefenbach (Künstler und Lebensreformer), Richard Ungewitter (Verfasser früher FKK-Schriften) und Heinrich Pudor, der 1902 den Begriff Nacktkultur prägte und 1906 ein dreibändiges Werk veröffentlichte.